Hartmut von Hentigs Buch Bildung

Hartmut von Hentig , geboren 1925, emeritierter Professor für Pädagogik an der Universität Bielefeld, war bis 1987 Wissenschaftlicher Leiter der Laborschule Bielefeld.

Im Jahr 1996 erschien im Hanser Verlag sein Buch mit dem schlichten Titel: “Bildung”. Dieses Essey könnte als ein genereller Entwurf von Bildung gelten; unabhängig von jeweiligem Zeitgeist. Er befasst sich dabei mit Fragen zur Bildung, schafft notwendige Klärungen und entwirft mögliche Maßstäbe für Bildung. Wichtig scheint ihm vor allem das Aufzeigen von konkreten Möglichkeiten, Bildung in die Realität umzusetzen. Hierfür beschreibt er geeignete Bildungsanlässe und entwirft wünschenswerte Folgen, insbesonder für unser derzeitiges Schulssystem.

Folgende Thesen fürht er einleitend an, die er im Laufe seiner weiteren Ausführungen näher erklären und evtl. belegen wird:

“1. Die Antwort auf unsere behauptete oder tatsächliche Orientierungslosigkeit ist Bildung – nicht Wissenschaft, nicht Information, nicht die Kommunikationsgesellschaft, nicht moralische Aufrüstung, nicht der Ordnungsstaat.

2. Für die Bestimmung der Bildung, die dies leistet, sind die Kanonisierung von Bildungsgütern, die Entscheidung für ein bestimmtes Menschenbild, die Analyse der gegenwärtigen und zukünftigen Lebensverhältnisse gleichermaßen untauglich.

3. Der Mensch bildet sich.

4. Das Leben bildet.

5. Die Schule hat aus Bildung Schulbildung gemacht.

6. In der wissenschaftlichen Zivilisation sind daraus das Mittel und das Kriterium der akademischen Berufslaufbahn geworden.

7. Die Rückkehr zur Bildung ist pädagogisch geboten – ein Fortschritt.

8. Alle Menschen sind der Bildung bedürftig und fähig.

9. Für die allen Menschen geschuldete Bildung gibt es gemeinsame Maßstäbe und geeignete Anlässe.

10. Das muß Folgen für die Gliederung unseres Bildungswesens haben.

11. Bei geeigneter Stufung des instiutionalisierten Lernens können beide Elemente der Bildung – das platonische und das pragmatische – zu ihrem Recht kommen.

12. Die Oberstufe ist die Stufe der Wissenschaftspropädeutik, der Berufswahl und der Überleitung in die Berufsausbildung.

13. Die Fächer der herkömmlichen Schule sind brauchbare Anlässe für die gedachte Bildung.

14. Alle Bildung ist politische Bildung: eine kontinuierliche, zugleich gestufte Einführung in die polis.”

(Hentig 1996, S. 11-12)

Bildungsträume

Damit unsere Träume wahr werden, müssen wir sie Tag für Tag leben, so gut es geht.

Wir träumen von Bildung, von guter Bildung. Und wollen manchmal nicht aus diesem wunderschönen Traum erwachen, in dem Bildung gewollt wird, in dem Bildung einfach so passiert. Mit viel Begeisterung, Freude und Lachen.

Doch wie sehen all diese Bildungsträume aus? Wie können diese Träume in der Realität verwirklicht werden und welche dieser Träume wurden vielleicht schon wahr? Diese Seite will versuchen offenen Fragen nachzugehen. Beim Lesen, Mitdenken und eventuell auch mitdiskutieren wünsche ich viel Freude.

Martin Glanz-Kühndahl